1991 - Verordnung über das Naturschutzgebiet Boberger Niederung

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Verordnung
über das Naturschutzgebiet
Boberger Niederung
Vom 21. Mai 1991


Fundstelle: HmbGVBl. 1991, S. 227

Stand: 

letzte berücksichtigte Änderung: §§ 1, 5 geändert durch Artikel 35 § 2 Nr. 2 der Verordnung vom 29. September 2015 (HmbGVBl. S. 250, 257)

 

Auf Grund der §§ 15 und 16 des Hamburgischen Naturschutzgesetzes vom 2. Juli 1981 (Hamburgisches Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 167), zuletzt geändert am 21. Dezember 1990 (Hamburgisches Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 283), wird verordnet:

§ 1 Naturschutzgebiet

(1) Die in der Naturschutzkarte grün eingezeichneten, in den Gemarkungen Boberg, Lohbrügge und Billwerder belegenen Flächen der Boberger Niederung werden zum Naturschutzgebiet erklärt.

(2) 1 Die Naturschutzkarte ist Teil dieser Verordnung. 2 Ihr maßgebliches Stück ist beim Staatsarchiv, je eine Ausfertigung bei der Behörde für Umwelt und Energie (Naturschutzamt) und beim Bezirksamt Bergedorf zu kostenfreier Einsicht durch jedermann niedergelegt.

§ 2 Schutzzweck

(1) 1 Schutzzweck ist die Erhaltung des einmaligen, vielfältigen Naturraumes des Elbeurstromtales mit mosaikartiger Morphologie und verschiedenartig gestalteten Lebensräumen. 2 Der Naturraum besteht aus:

1. dem Geestrand mit trockenrasenreichen Steilhängen, Hangquellen, trockenen und feuchten Hanglaubmischwäldern, Orchideenterrassen und Quellmooren,

2. einer unbewaldeten Elbdüne sowie Heiden, Trockenrasen und Niedermooren sowie Erlenbrüchen an der Bille-Aue,

3. der historisch gewachsenen, bäuerlich gestalteten Flur in der ehemaligen Elbmarsch und heutigen Bille-Aue, in der eine extensive Grünlandwirtschaft angestrebt wird.

(2) 1 Der Naturraum ist als Ganzes für besonders gefährdete, vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten vor Beeinträchtigungen zu bewahren. 2 Besonders schutz- und erhaltenswürdig sind unter anderem

1. die als Rest ehemals weit verbreiteter großer Elbbinnendünen verbliebene unbewaldete Elbdüne, die als Lebensraum für gefährdete Heuschreckenarten, verschiedene Bienen- und Wespenarten und gefährdete Pflanzengesellschaften dient,

2. die Hangquellen und Orchideenterrassen am Geesthang mit zahlreichen gefährdeten Pflanzenarten wie dem Fuchs'schen Knabenkraut und dem Sumpf-Stendelwurz,

3. die Standorte von Pflanzen- und Tierarten, die an die extensive Grünlandwirtschaft angepasst sind, wie der gefährdete Mittelwegerich und die Natternzunge oder das gefährdete Blutströpfchen, dessen Raupenentwicklung an den Hornklee gebunden ist.

§ 3 Gebote

(1) Im Naturschutzgebiet ist es geboten,

1. im Bestand stark gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten durch geeignete Maßnahmen zu erhalten und zu fördern, insbesondere durch verstärkten Schutz sowie durch Pflege, Entwicklung und Wiederherstellung ihrer Biotope sowie durch Gewährleistung ihrer sonstigen Lebensbedingungen,

2. Pflanzenbestände im Fall von Wiederansiedlungen mit standortgerechten einheimischen Arten aus gebietseigener oder nächster Herkunft zu ergänzen,

3. Tiere im Fall von Wiederansiedlungen mit für den Lebensraum typischen Arten aus gebietseigener oder nächster Herkunft auszubringen,

4. Aufforstungen mit Nadelholzarten oder andere standortfremde Pflanzenarten zu entfernen,

5. eine Anhebung des oberflächennahen Grundwassers durchzuführen,

6. die Renaturierung der Bille-Aue durchzuführen,

7. Pflegemaßnahmen zum Erhalt der Magerrasen, Streuwiesen, offenen Hänge, Dünen und Heiden durchzuführen.

(2) Maßnahmen nach Absatz 1 Nummern 2 und 3 sind der zuständigen Behörde drei Monate im Voraus anzuzeigen; dabei ist die Herkunft der Pflanzen und Tiere nachzuweisen.

(3) Maßnahmen nach Absatz 1 Nummer 5 sind so zu gestalten, dass die im Schutzgebiet vorhandenen landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht vernässt werden und die Entwässerung von Flächen außerhalb des Schutzgebietes nicht erschwert wird.

§ 4 Duldung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen

Folgende Maßnahmen der zuständigen Behörde zum Zwecke des Naturschutzes und der Landschaftspflege sind von den Eigentümern und Nutzungsberechtigten zu dulden:

1. Die Mahd auf brachgefallenem Grünland,

2. die Freihaltung von Heideflächen, Streuwiesen sowie von Mager- und Trockenrasen von aufkommendem Baumwuchs.

§ 5 Verbote

(1) Im Naturschutzgebiet ist es verboten,

1. Pflanzen oder einzelne Teile von ihnen abzuschneiden, abzupflücken, aus- oder abzureißen, auszugraben, zu entfernen oder sonst zu beschädigen,

2. wild lebenden Tieren nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder sie durch sonstige Handlungen zu stören oder ihre Eier, Larven, Puppen oder sonstige Entwicklungsformen oder Nester wegzunehmen, zu zerstören oder zu beschädigen,

3. die Jagd - ausgenommen auf Rehwild, Wildkaninchen, Fuchs, Waschbär und Marderhund sowie Stockente in der Zeit zwischen dem 1. Juni und 28. Februar - auszuüben,

3a. im Rahmen der Jagdausübung nach Nummer 3 die im Gebiet belegenen trittempfindlichen Quellmoore sowie die in dem nach den Vorgaben der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (ABl. EG Nr. L 206 S. 7), zuletzt geändert am 29. September 2003 (ABl. EG Nr. 284 S. 1), ausgewiesenen Gebietes „Boberger Düne und Hangterrassen“ belegenen trittempfindlichen Dünen mit Sandheiden, offenen Grasflächen und Sandrasen zu betreten; eine Karte, die dieses Gebiet bezeichnet, ist Teil dieser Verordnung; ihr maßgebliches Stück ist beim Staatsarchiv, je eine Ausfertigung bei der Behörde für Umwelt und Energie und beim Bezirksamt Bergedorf zu kostenfreier Einsicht niedergelegt,

4. gebietsfremde Pflanzen oder Tiere anzusiedeln oder auszusetzen,

5. das Gelände außerhalb dafür bestimmter Wege zu betreten,

6. außerhalb der von der zuständigen Behörde gekennzeichneten Wege zu reiten,

7. das Gelände außerhalb dafür bestimmter Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren oder außerhalb dafür bestimmter Stellen Fahrzeuge aller Art oder Anhänger abzustellen,

8. Hunde auf von der zuständigen Behörde gekennzeichneten Wegen mitzunehmen oder frei laufen zu lassen,

9. außerhalb der von der zuständigen Behörde gekennzeichneten Stellen zu angeln,

10. in den Gewässern mit Ausnahme des Ohlenburger Teiches zu baden,

11. die Gewässer mit Ausnahme der Bille und des Ohlenburger Teiches mit Booten zu befahren,

12. brennende oder glimmende Gegenstände wegzuwerfen oder sonst unvorsichtig mit ihnen umzugehen sowie außerhalb der von der zuständigen Behörde gekennzeichneten Plätze Feuer zu machen,

13. zu zelten,

14. zu lagern,

15. das Gelände durch Abfälle, Abwasser oder auf sonstige Weise zu verunreinigen,

16. Pflanzenschutzmittel anzuwenden,

17. Düngemittel oder Gülle auszubringen, ausgenommen ist eine Grunddüngung mit Stallmist,

18. das Grünland zwischen dem 1. April und dem 20. Juni eines jeden Jahres zu schleppen, zu walzen, zu mähen oder anders maschinell zu bearbeiten,

19. das Grünland zwischen dem 1. April und dem 20. Juni eines jeden Jahres mit mehr als zwei Rindern oder mit einem Pferd oder Pony oder mit sechs Schafen je Hektar und in der übrigen Zeit eines jeden Jahres mit mehr als der doppelten Anzahl der genannten Tiere zu beweiden,

20. bauliche Anlagen jeglicher Art, Frei- und Rohrleitungen, Einfriedungen sowie Wege, Treppen, Brücken oder Stege zu errichten, anzulegen oder zu verändern,

21. Bild- oder Schrifttafeln anzubringen,

22. Aufschüttungen vorzunehmen, die Bodengestalt, die Gestalt der Gräben oder Teiche und ihrer Ufer durch Grabungen, den Abbau oder durch Einbringung von Bodenbestandteilen oder auf sonstige Weise zu verändern,

23. den Wasserhaushalt zu verändern,

24. Grünland umzubrechen oder die Kulturart auf andere Weise zu verändern,

25. Gegenstände von wissenschaftlicher, naturgeschichtlicher und bodenkundlicher Bedeutung zu beschädigen, aufzunehmen, zu sammeln oder zu verunstalten.

(2) Von den Verboten des Absatzes 1 gelten nicht,

1. die Nummern 1, 2, 4, 5, 7 und, soweit Einfriedungen vorgenommen werden, die Nummer 20 für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung,

2. die Nummern, 1, 2, 5, 7, 17, 18, 20, 21, 22, 23, 24 und 25 für Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege,

3. die Nummern 1, 2, 5, 8, 12, 13, 14 und 21 für die übliche Wohnnutzung der Flurstücke Nummern 119, 120, 121, 122, 123, 124 und 125 der Gemarkung Boberg, die Nummer 7 für die Benutzung der Zufahrten zu diesen Flurstücken und die Nummer 15 für das Ablegen von Gartenabfällen auf gärtnerisch genutzten Teilflächen dieser Flurstücke,

3a. die Nummern 1, 2, 5, 7, 8, 21 und, soweit eine ortsfeste jagdliche Einrichtung verändert oder unter Beibehaltung der Gesamtanzahl der Einrichtungen verlagert wird, die Nummer 20 für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und des Jagdschutzes sowie die Nummer 3 a für das Betreten zur Ausübung des Tierschutzes nach § 22 a Absatz 1 des Bundesjagdgesetzes in der Fassung vom 29. September 1976 (BGBl. I S. 2850), zuletzt geändert am 24. August 2004 (BGBl. I S. 2198, 2208), in der jeweils geltenden Fassung, zur Nachsuche und zum Jagdschutz,

4. die Nummern 1, 5, 7, 16, 20, 21 und 22 für bauliche Veränderungen sowie für Maßnahmen der ordnungsgemäßen Instandhaltung und zur Gewährleistung der Betriebssicherheit der Eisenbahnstrecke Tiefstack-Glinde der Eisenbahn-Aktiengesellschaft Altona-Kaltenkirchen-Neumünster (AKN),

5. die Nummer 1 für die Beseitigung von Baumaufwuchs und für die Mahd auf den Start- und Landebahnen sowie die Nummern 5, 7, 14 und 21 für das Segelfluggelände,

6. die Nummern 1, 5, 7, 20, 22 und 23 für Maßnahmen, die zum Erhalt des Überschwemmungsgebietes der Bille und des Grabensystems in der Bille-Aue durchgeführt werden,

7. die Nummern 1, 5, 7 und 22 für das Instandhalten der hydrologischen Messeinrichtungen,

8. die Nummern 5 und 14 für das Betreten außerhalb der Wege und das Lagern im Rahmen der Freizeit- und Erholungsnutzung auf der in der anliegenden Karte schraffiert dargestellten Fläche,

9. die Nummer 5 für die Benutzung der Rodelbahn und für das Schlittschuhlaufen auf den Teichen,

10. die Nummer 7 für Fahrräder sowie für die Zu- und Abfahrt zur Benutzung der von der zuständigen Behörde ausgewiesenen Parkplätze,

11. die Nummer 15 für Niederschlagswasser, das von bebauten oder befestigten Flächen zufließt.

(3) Von den Verboten des Absatzes 1 Nummern 16 und 18 erteilt die zuständige Behörde eine Ausnahmegenehmigung für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Form einer Horst- oder Einzelpflanzenbehandlung, wenn Kreuzkraut-Arten der Gattung Senecio oder andere die Grünlandbewirtschaftung gefährdende Arten auf landwirtschaftlich genutztem Grünland vorkommen und eine manuelle oder mechanische Entfernung nicht zumutbar oder nicht praktikabel ist.

§ 6 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig nach § 29 Absatz 1 Nummer 1 des Hamburgischen Gesetzes zur Ausführung des Bundesnaturschutzgesetzes vom 11. Mai 2010 (HmbGVBl. S. 350) handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig den Verboten des § 5 Absatz 1 zuwiderhandelt.

§ 7 Schlussbestimmungen

(1) Auf Grund von § 1 Absatz 1 des Gesetzes über Grün- und Erholungsanlagen vom 18. Oktober 1957 (Sammlung des bereinigten hamburgischen Landesrechts I 2133-a) wird die für eine Teilfläche des Naturschutzgebietes erfolgte Bekanntmachung als Grün- und Erholungsanlage im Verzeichnis der Grünanlagen vom 5. November 1989 (Amtlicher Anzeiger Seite 2349) aufgehoben.

(2) Es treten in der geltenden Fassung außer Kraft:

1. die Verordnung zum Schutz des Naturdenkmals Boberger Düne vom 20. März 1973 (Hamburgisches Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 51),

2. die Verordnung zum Schutz des Naturdenkmals Achtermoor vom 20. März 1973 (Hamburgisches Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 52).

(3) Ferner treten, soweit Flächen durch diese Verordnung unter Schutz gestellt werden, in ihrer geltenden Fassung außer Kraft:

1. die Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen in der Gemarkung Billwerder vom 4. Januar 1972 (Hamburgisches Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 7),

2. die Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen in der Gemarkung Boberg vom 4. Januar 1972 (Hamburgisches Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 8),

3. die Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen in der Gemarkung Lohbrügge vom 4. Januar 1972 (Hamburgisches Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 9).

§ 8 Inkrafttreten

1 § 5 Absatz 1 Nummern 16 und 17 dieser Verordnung treten für Ackerland am 1. Januar 1999 in Kraft. 2 Im Übrigen tritt diese Verordnung am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Gegeben in der Versammlung des Senats,
Hamburg, den 21. Mai 1991.


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